Chronik der Pfyfferzunft Altishofen 1967-1991

Am 13. Januar 1967 haben einige Mitglieder der Altishofen Musikgesellschaft Theaterkulissen nach Reiden verschoben. Danach wurde diese schwere Arbeit im Leuen gehörig mit Fendant begossen. Man war sehr traurig, dass man nicht mehr solche Anlässe zur Verfügung hatte, um ähnliche Bombenfeste vom Stapel zu lassen. Nach intensiven, total benebelten Beratungen, kam man zu der Überzeugung, dass man unbedingt etwas mehr Leben ins Dorfgeschehen bringen müsste und dafür am besten die alten Fasnachtsbräuche wiederbeleben sollte. Kurzentschlossen gründete man auf der Stelle die Pfyfferzunft Altishofen, wählte auch gleich den Vereinsvorstand und stellte auch noch die Vereinsstatuten auf. Angesichts der späten Stunde und des himmelschreienden Zustandes aller Beteiligten war das eine unwahrscheinliche Leistung. Der erste Vorstand bestand aus den folgenden Personen mit zum Teil recht ausgefallenen Chargen: Präsident: Josef Glanzmann, Vize: Peter Erni, Aktuar: Robert Meier, Säckelmeister: Arthur Leisibach jun., Alkoholverwalter: Thomas Meier, Trinkmeister: Oskar Bürli, Festkomiteechef: Hans Keller, Anton Bürli war der erste Zunftmeister. Noch zwei Muster aus den ersten Statuten: Artikel 5 – Der Kassier hat als Finanzdepot eine «Saublatter» zu benutzen, sie ist während den Versammlungen über dem Tisch aufzuhängen. Artikel 10 – Unentschuldigtes Fernbleiben von einer Sitzung wird mit einem Liter Fendant bestraft (Kiltgänger bezahlen zwei Liter). Der Fendant wurde zum Zunftgetränk ernannt und das Stammlokal der Leuen. Die Gründer waren alle ledig, deshalb musste auch der Leuenwirt beim Gründungsakt mit seiner Frau hinter die Theke gehen. Die anwesende noch ledige Serviertochter Theres Aregger, wurde grosszügig zur Zunftkönigin ernannt.

Der höchste Zunfttag war der Schmutzige Donnerstag und an diesem Tag wurden in den ersten Jahren mit einem immer länger werdenenden Umzug die Dörfer Schötz, Nebikon, Dagmersellen, Reiden und Altishofen heimgesucht. Die zum Teil sehr langen Zwischenhalte an neuralgischen Punkten sowie Bäckerei Hodel, Adler-Nebikon, Metzgerei Schmid, Genossenschaft Nebikon und anderen Zapfstellen, führten bis zur Rückkehr nach Altishofen zu einer totalen Überflutung aller Hohlräume bei den Teilnehmern und zu einer bedenklichen körperlichen Verfassung infolge Überdurcks in Kopf und Bauch. Das Umzugstempo bestimmte der alte Lanz-Bulldog, welcher auch später noch 11 Jahre die Zunftmeisterpaare durchs Dorf zog und heute im Museum Burgrain ausgestellt ist. 1974 wurde der Umzug auf den Güdisdienstag verlegt, weil da am Abend seit 1970 auch der Zunftball stattfand. Ab 1975 ist der Umzug am Fasnachtssonntag und auch nur noch in Altishofen selbst. Seit 1969 und bis 1979 fuhr die Zunftkanone an der Spitze des Zuges und die Kanoniere Häcki und Leupi haben mit ihren höllischen Schüssen bei den Frauen und Kindern Angst und Schrecken verbreitet. Eine Guggenmusik war eigentlich von Anfang an immer dabei, sie bestand aus Zunftmitgliedern und wurde ab 1970 richtig aufgezogen. Seit 1979 sind die Schlossruugger ein eigener Verein und werden von der Zunft jährlich mit Fr. 1000.- unterstützt.

Die Zunftmeisterpaare amten bis 1976 jeweils ein Jahr und von 1977 bis 1990 immer für zwei Jahre. Seit 1974 haben sie eine Zunftkette und ein Zepter. Sie sind nicht nur am Fasnachtssonntag im Einsatz, sondern besuchen mit dem Zunftweibel alle Maskenbälle, den Altersnachmittag und die Kinderfasnacht. Sie bewirten an der Tagwacht vom Schmutzigen Donnerstag alle Frühaufsteher und besuchen auch Altersheime. Die Mehlsuppe wird am gleichen Tag um 6.45 Uhr im Leuen seit Anbeginn der Zunftgeschichte vom Leuenwirt Toni Hunkeler spendiert. Er hat seit der Gründung schon sehr viel für die Zunft getan und verdient dafür unseren Dank. Seit 1970 ist er «Chele-Zänni» das Wahrzeichen der Zunft und wird an jedem Umzug mitgeführt. Er war auch das Sujet der ersten Fasnachtsplakette von 1975 und ist es auch auf der diesjährigen Jubiläumsplakette. Seit 1982 gestaltet Albin Näpflin unsere Plakette, heuer also schon die zehnte. Die Plakette ist nicht nur in Gold und Silber, sondern auch als Gönnerplakette erhältlich und hat zweifelsohne auch einen künstlerischen Wert, auf den wir auch recht stolz sind. Seit 1978 wird in den geraden Jahren ein Guggenmusigfestival veranstaltet, welches weit über die Kantonsgrenzen regen Anklang gefunden hat.

Mit der GV 1984 kam die grosse Ablösung im Verein, die letzten Gründer sind aus dem Vorstand ausgeschieden, sind aber immer noch als unverzichtbare Helfer an exponierten Stellen im Einsatz. Peter Erni, Präsident während 14 Jahren, wurde zum Ehrenpräsidenten ernannt und die anderen verbliebenen Gründer Josef Glanzmann, Anton Bürli, Hans Keller, Thomas und Robert Meier zu verdienten Ehrenmitgliedern. Vom neuen Vorstand wurde 1985 nach Ideen von Arthur Leisibach sein. Ein nach der Schweizergarde nachempfundenes Zunftkleid kreiert, in 32 Exemplaren hergestellt und an der 20. Fasnacht im Jahre 1986 am Umzug vorgestellt. Weitere wichtige Anschaffungen sind umfangreiche Materialreserven für den Wagenbau und ein vorbildlich instand gestelltes Materialdepot, welches aus einem alten Bauernhaus mit viel Fronarbeit und beträchtlichen Finanzmittelns erstellt wurde. Der Pfyffergeischt ist das Publikationsorgan der Pfyfferzunft und bisher ausser 1978 in jedem Jahr in einer Auflage von 600-1000 Exemplaren erschienen. Die ersten zehn Jahre war fast ausschliesslich Sepp Glanzmann der Schreiber und Robert Meier der Drucker.

Diese Chronik erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stellt aber hoffentlich unsere Zunft einem grösseren Kreis der Öffentlichkeit etwas näher vor und wir hoffen, dass die Pfyfferzunft in Altishofen und Umgebung noch lange Zeit zur Belebung der Fasnacht und Bereicherung der kulturellen Szene beitragen wird.

Der Zunftschreiber im Liegestuhl